PRAXISKLINIK ORTHOPÄDIE FRANZISKUSHOSPITAL, Aachen, PKO.AC, praxisklinikorthopaedie.de

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27.07.2010 11:40 Alter: 10 yrs

Orthopädische Nachrichten: Praxisklinik setzt auf alternatives Versorgungskonzept

Enge Zusammenarbeit mit Klinik ermöglicht ambulante und stationäre Eingriffe

Die Verantwortlichen der Aachener Praxisklinik Orthopädie Franziskushospital setzten auf ein Geschäfts- und Versorgungsmodell, das Schule machen könnte: In Kooperation mit einem Krankenhaus betreuen die Praxisklinikverantwortlichen ihre Patienten entweder ambulant oder stationär. Ein Kurzprortrait.

Gebäude PraxisklinikÄrtzeteam Praxisklinik

Links: Praxisklinik Orthopädie am Franziskushospital
Rechts: Ärzteteam der Praxisklinik (von links): Christof Rader, Nicola Ihme, Bernhard Fuß, Barbara Meyer, Ansgar Ilg, Friedhelm Schmitz, Matthias Weg

Die Architektur der Praxisklinik Orthopädie Franziskushospital lässt Klinikmanager aufhorchen und Standesvertreter ein wenig aufschrecken: Das Aachener Ärzteteam bietet nicht nur ambulante Leistungen in einem eigenem OP an (ein zweiter ist derzeit im Bau), sondern operiert auch im direkt benachbarten Franziskushospital, das durch einen gemeinsamen Flur sehr leicht erreichbar ist. In dem Krankenhaus gibt es keine eigene Orthopädische Klinik (gab es auch noch nie), dafür aber inzwischen eine eigene orthopädische Station. Die wird ausschließlich mit Patienten der Praxisklinik belegt. Die Operateure nutzen den klinikeigenen OP; den Besetzungsplan sprechen sie frühzeitig mit den chirurgischen Kollegen des Krankenhauses ab. Die Pflege auf der orthopädischen Station liegt indes in den Händen des Krankenhauses. „Dieses Modell hat sogar Arbeitsplätze gesichert", erläuterte Prof. Christof Rader im Gespräch mit den Orthopädischen Nachrichten. Rationalisierungsmaßnahmen in der Pflege, die in vielen anderen Häusern zu Personalkürzungen geführt haben, konnten im Franziskushospital durch die Kooperation mit der Praxisklinik abgefedert werden. Die Arbeitsteilung zwischen Krankenhaus und Praxisklinik erfolgt nach festgelegten Modalitäten: die postoperative Nachsorge auf Station erfolgt durch den Operateur, die Klinik gewährleistet die eventuelle Notfallversorgung der „orthopädischen" Patienten.

Das Erfolgsgeheimnis der Aachener Praxisklinik gibt Rader unumwunden preis: „Es liegt in der Spezialisierung eines jeden Gesellschafters begründet. So können wir für jeden großen orthopädischen Bereich neben dem Standard auch spezielle OP- Techniken anbieten." Mit dieser Konstruktion habe sich die Praxisklinik bewusst ein wenig vom Zeitgeist abgesetzt: Während Orthopädie und Unfallchirurgie verschmelzen und mehr und mehr der Generalist ausgebildet wird, setzt die Praxisklinik auf Spezialisierung. Die sieben Gesellschafter verfügen über Spezialwissen in ihren Gebieten. So decken sie unter anderem die Bereiche Sportmedizin, orthopädische Rheumatologie, Schulter, Kinderorthopädie, Hüfte, Knie, Ellbogen, Hand und Fuß ab. (Für letzteren Bereich ist sinnigerweise Dr. Bernhard Fuß zuständig.)

Mit der Spezialisierung habe man die Wünsche der Patienten ziemlich gut getroffen, ist sich Rader sicher, der in der Klinik für Hüfte und Knie zuständig ist. Immer öfter würden minimalinvasive Eingriffe und alternative OP-Methoden nachgefragt. So gehöre zu seinem Leistungsspektrum zum Beispiel die minimal-invasive Hüft-TEP und die Hüftgelenksarthroskopie. Im Bereich der Fußchirurgie werden ebenfalls arthroskopische Operationen angeboten sowie Vorfusskorrekturen und Sprunggelenksprothetik durchgeführt. Im Bereich der Schulterchirurgie ist das Ärzteteam unter anderem auf Instabilitäten, Sehnenrupturen und Endoprothetik spezialisiert. Beim Knie werden neben gelenkersetzenden Eingriffen alle arthroskopischen Meniskus- und Knorpeleingriffe einschließlich der autologen Knorpelzelltransplantation, dem Kreuzbandersatz, Versorgung von Kniescheibeninstabilitäten sowie Umstellungsosteotomien angeboten.

Versorgt werden sowohl GKV- als auch Privat-Patienten. „Wir behandeln beide nach den gleichen medizinischen Standards. Das ist mir sehr wichtig", betonte Rader.

Im letzten Jahr operierte das Praxisklinik-Team rund 2800 Patienten. Die meisten von ihnen konnten ambulant betreut werden. Dann führt die Praxis die gesamte Behandlung in Eigenregie durch, erläuterte Rader. Auch bei den stationären Eingriffen (2009 waren es rund 800), gebe es deutliche Unterschiede zu anderen Modellen: „Im Gegensatz zu Honorarärzten stellen wir den 1. Assistenten und die OP-Schwester", sagte Rader.

Die Praxisklinik hat im Gegensatz zu vielen vergleichbaren Einrichtungen eine lange, orthopädische Geschichte: Sie begann bereits 1893 mit der Gründung einer medico-mechanischen Anstalt, die Heilgymnastik – unter anderem an orthopädischen Geräten – anbot. 1913 übernahm Friedrich Pauwels die Leitung der Praxis. Er wirkte später als Chefarzt der orthopädischen Klinik in den städtischen Krankenanstalten in Aachen (bis 1960) und nahm Einfluss auf die Entwicklung der Orthopädie. Noch heute richtet die Praxisklinik im jährlichen Wechsel mit der Orthopädischen Universitätsklinik Aachen ein nach ihm benanntes Symposium aus. Das Modell der Praxisklinik stieß auch bei der Gesundheitspolitik auf Interesse: Zur Einweihung eines Traktes, der die Praxis mit dem Franziskushospital verbindet, reiste 2004 eigens Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) an. Der Termin war ihr wohl zu symbolträchtig, um ihn unbesetzt zu lassen: Beispielhafter konnte sie kaum zeigen, dass die Grenzen zwischen dem ambulantem und stationärem Sektor durchlässiger werden müssen.