Korrektur der Beinachse bei Kniegelenksverschleiß
Statik
Idealerweise sollte das Bein gerade sein (eine mäßige X-Beinstellung [valgus], insbesondere bei Frauen, ist normal). Exakter ausgedrückt: Die Belastungslinie vom Zentrum des Hüftkopfes durch die Mitte des Kniegelenkes bis zum Sprunggelenk sollte eine Gerade bilden. Das Vorliegen einer Fehlstellung kann man mit einer Ganzbeinaufnahme im Stand überprüfen. Kommt es zu Abweichungen dieser Achse, entsteht eine Fehlbelastung. So wird z.B. bei einem O-Bein der innere Anteil des Kniegelenkes mehr belastet als der äußere . Das wird ganz offensichtlich, wenn man im Stehen das Knie nach außen drückt, also eine O-Bein Stellung simuliert: Der Druck innen nimmt zu.
Folgen
Eine solche Fehlbelastung, insbesondere mit Übergewicht kombiniert, verursacht einen Verschleiß, der sich dann im Röntgenbild oder in der Kniegelenkspiegelung deutlich zeigt: Der Knorpel wird abgerieben und der Meniskus aufgefasert.
Umstellung
Um es möglichst nicht zu diesen Folgen kommen zu lassen, ist eine Korrektur der Kniegelenk-Achse anzustreben. Das ist in leichten Fällen zum Beispiel durch eine Erhöhung des Schuhaußenrandes zu erreichen: Das Knie wird hierdurch in die X-Stellung [valgus] gedrückt, der innere Knieanteil also entlastet. Leider reicht das nicht immer aus. Dann ist der Knochen umzustellen. Man erreicht das, indem man die Innenseite des Unterschenkels osteotomiert und aufklappt oder einen Keil, Basis außen, aus dem Schienbeinkopf entnimmt und so aus dem O-Bein ein leichtes X-Bein macht [valgisierende Tibiakopf-Osteotomie]. Der verbleibende Knochenspalt im Schienbeinkopf wird mit einer Platte und Schrauben fixiert, Der Knochen verheilt nach einer gewissen Teilbelastungsphase (6-10 Wochen, abhängig von Grad der Korrektur und individueller Knochenheilungstendenz) von selbst. Das Material kann, muß aber nicht entfernt werden.
Die Umstellungsosteotomie ist ein bewährtes Verfahren, hat aber seine Grenzen: Die Last-Verlagerung nach außen setzt voraus, dass die äußeren Strukturen des Gelenkes intakt sind. Ist das nicht der Fall, so muß eventuell die Oberfläche mit einer Endoprothese erneuert werden.
Keine Operation ohne theoretische Komplikationsmöglichkeiten: es kann vorkommen, dass der Spalt nicht verheilt, was aber, außer bei Infektion, sehr unwahrscheinlich ist. Operative Eingriffe, insbesondere am Bein, können zur Bildung von Blutgerinnseln in den Venen [Thrombose] führen, diese wiederum können zu einer Lungenembolie führen. Verringert wird diese Gefahr durch eine Reihe von Maßnahmen (Frühmobilisation, Thrombosespritzen und Kompressionsstrümpfe).





