Praxisklinik Orthopädie Franziskushospital

Rheumachirurgie

Die rheumatoide Arthritis wird auch chronische Polyarthritis (CP) genannt und ist eine abakterielle, entzündliche Erkrankung, bei der es zu Schwellung, Schmerzen und einem Funktionsverlust der Gelenke kommt. Sie hat einige spezielle Merkmale, die sie von anderen Formen entzündlicher Gelenkerkrankungen unterscheidet. Im Allgemeinen kommt es zu einem symmetrischen Gelenkbefall beider Hände. Es handelt sich um eine Systemerkrankung, das heißt, außer den Gelenken können auch andere Körperregionen beteiligt sein(z.B. das Herz, die Lunge, die Augen, die Muskeln oder das Gefäßsystem). Häufige Symptome sind auch leichte Ermüdbarkeit, gelegentliches Fieber und Unwohlsein.

Typisch für die rheumatoide Arthritis ist, dass sie von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich verläuft. Bei einigen Patienten dauert sie nur einige Monate und verschwindet wieder, ohne dass eine erkennbare Schädigung zurückbleibt. Bei anderen verläuft die Erkrankung leicht bis mittelschwer und es wechseln sich Phasen der Verschlimmerung, sogenannte Schübe, mit Phasen der Verbesserung, sogenannten Remissionen, ab. Bei schwerem Verlauf der Erkrankung führt sie zu starken Gelenkschäden und Invalidität.

Bis heute sind die Gründe für die Entstehung einer CP unbekannt. Viele Befunde sprechen für einen autoimmunologischen Hintergrund. Bei etwa 70 % aller PC-Patienten sind spezielle Autoantikörper / Rheumafaktoren nachweisbar. Es wird ebenfalls eine Entstehung durch Viren diskutiert.

Bei fast allen Rheumapatienten sind die Hände, oft schon in der Frühphase, betroffen. Typischerweise sind das Handgelenk, die Fingergrund- und –mittelgelenke betroffen. Ausgehend von einer Entzündungsreaktion der Innenschicht der Gelenkkapsel oder Sehnenscheide (= Synovialitis) kommt es zu einer Gelenk- oder Sehnenzerstörung.

Die wichtigsten rheumatischen Veränderungen

Handgelenk

Eine Schwellung am Handgelenk, verbunden mit Schmerzen und Bewegungseinschränkung kann im Frühstadium für eine Handgelenkssynovialitis sprechen. Die Lockerung des Kapselband-Apparates, sowie zerstörende Veränderungen am Knorpel und am Knochen begünstigen und verstärken Fehlstellungen. Je nach Verlaufsform kommt es im Spätstadium zur Einsteifung des Handgelenkes (Ankylose) oder zu einem völlig instabilen und weitest gehend funktionslosen Handgelenk.

Rheumatische Einsteifung des Handgelenkes

Fingergelenke

Ulnar-Deviation = Fingerachsenabweichung in den Grundgelenken zur Ellenseite. Durch eine zunehmende synovialitische Schwellung rutscht die Strecksehne zwischen die Fingergrundgelenke zur Ellenseite ab. Die Instabilität nimmt zu, sobald sich die Seitenbänder lockern. Dies führt zu einem Streckdefizit und zu einer Abweichung der Finger zur Ellenseite.

Schwanenhalsdeformität: Bei dieser Deformität kommt es durch rheumatische Veränderungen zu einer Überstreckstellung der Mittelgelenke, während die Fingergrund- und Endgelenke in Beugung gehalten werden.

Knopflochdeformität: Durch eine Lockerung des Strecksehnenmittelzügels kommt es zu einer Schwächung der Streckung im Mittelgelenk. Die Seitenzügel der Strecksehne rutschen zur Beugeseite und wirken nun als Beuger im Mittelgelenk und (Über-) Strecker im Endgelenk.

Diagnostik

Bei dem Verdacht auf eine rheumatische Erkrankung sollte die Abklärung durch einen Rheumatologen erfolgen. Die Diagnose wird anhand der Beschwerden, der Untersuchung, einer Röntgenuntersuchung sowie der Erhebung der Blutwerte (Rheumafaktoren, Entzündungswerte, Autoimmunserologie) gestellt. Eine histologische Untersuchung des Sehnenhüllgewebes oder des Gelenkkapselgewebes (im Rahmen einer Probeentnahme oder Synovektomie) bestätigt oft die Diagnose. Regelmäßige radiologische Untersuchungen informieren über den aktuellen Befund und das Fortschreiten der Erkrankung. Wichtige Kennzeichen im Röntgenbild sind: die Verschmälerung des Gelenkspaltes, der Nachweis von Zysten und Arrosionen (Auflockerungen der Knochenstruktur), Verrenkungen, Osteoporose und Ankylose (Gelenkverknöcherung).

Therapie

Grundlage der Therapie der rheumatoiden Arthritis ist eine medikamentöse Basistherapie, welche in der Regel vom Rheumatologen festgelegt wird.

Zielsetzung einer handchirurgischen Behandlung ist in der Frühphase die Verlangsamung des Krankheitsprozesses und die Verminderung der Schmerzen. Später spielt auch die Verbesserung oder Wiederherstellung der Funktion, die Verhinderung fortschreitender Zerstörung und eine Optimierung des ästhetischen Erscheinungsbildes eine Rolle.

Protektive Operationen sind z.B. die Entfernung des aggressiven Synovialgewebes (Synovektomie).

Rekonstruktive Maßnahmen sind z.B. die Verlagerung oder Kopplung von Sehnen sowie auch das Einbringen von Kunstgelenken. Oft ist eine Gelenkversteifung (Arthrodese) zur Wiederherstellung einer Greiffunktion sinnvoll.