Ein Klumpfuß findet sich bei 1-2/1000 Neugeborenen, bei Jungen etwa doppelt so oft wie bei Mädchen. Er kann unterschiedliche Schweregrade aufweisen und auch beidseitig auftreten.
Ursachen für Klumpfüße
Die Ursachen sind bisher nicht endgültig geklärt: Sowohl genetische (vererbte) Komponenten als auch Umwelteinflüsse während der Schwangerschaft (z.B. starke räumliche Enge) können bei der Entstehung eine Rolle spielen. Meist findet man jedoch keine Ursache, was jedoch die Therapie nicht schwieriger macht.
Ca. 15% aller Kinder mit angeborenen Klumpfüßen haben gleichzeitig eine Hüftreifungsverzögerung (Hüftdysplasie), so dass wir empfehlen, bei allen Neugeborenen mit dieser Fußstellung frühzeitig einen Hüftultraschall durchzuführen.
Diagnose
Vor Behandlung
Die Diagnose „Klumpfuß“ ist eine klinische Diagnose, dass heißt sie ist durch die typische Fehlstellung des Fußes mit u.a. Spitzfuß, Innendrehung der Ferse und Krümmung des Fußaußenrandes zu erkennen. Wichtig ist es, einen „echten Klumpfuß“ von einer sogenannten Klumpfußhaltung zu unterscheiden. Auf den ersten Blick sieht dabei das Füßchen einem echten Klumpfuß sehr ähnlich, der Fuß ist aber deutlich flexibler und lässt sich problemlos passiv korrigieren.
Ein Röntgenbild wird in der Regel nicht zur Diagnosestellung benötigt. Erst im weiteren Verlauf der Behandlung ist es wichtig, um eine eventuell erforderliche Operation planen zu können. Ein Teil der Fußwurzelknochen, der zuvor aus Knorpel bestand, ist nun im Röntgenbild gut sichtbar.
Kennzeichen
Der Klumpfuß hat mehrere Komponenten:
Spitzfuß: Die stark verkürzte Achillessehne zieht die Ferse hoch und lässt den Fuß nach unten zeigen. Diese Fehlstellung lässt sich passiv nicht ausgleichen.
Fersenvarus: Die Ferse ist nach innen gekippt.
Sichelfuß: Vorfuß und Zehen zeigen nach innen, der Fußaußenrand ist sichelförmig gebogen, so dass der Fuß von unten wie Bohne aussieht.
Hohlfuß: Das Fußgewölbe ist überhöht.
Zusätzlich zeigt sich an der inneren Fußseite meist eine unterschiedlich tiefe Hautfalte, die auch durch Anspannen der Haut nicht verschwindet, und die Wadenmuskulatur ist auf der Klumpfußseite verschmächtigt.
Therapie
Die besten Behandlungserfolge für ihr Kind erhalten wir, wenn die Behandlung so früh wie möglich beginnt. Sie erfolgt dabei mit der Methode nach Ponseti, da damit die besten Ergebnisse zu erzielen.
Bei der Ponseti-Methode beginnen wir mit dem ersten Gips so früh wie möglich, meist innerhalb der ersten 2 Lebenswochen. Sollte dieser frühe Beginn aus verschiedenen Gründen jedoch nicht möglich sein, ist die Methode jedoch immer noch möglich, da sich auch bei „älteren“ Kindern und auch bei Kindern, deren Füßchen bereits unzufriedenstellend nach anderen Methoden gegipst wurden, noch vergleichbar gute Erfolge erzielen lassen. Bei uns wird jeder Klumpfuß, der nicht voroperiert oder älter als ca. 15 Monate ist und noch eine (Rest-)Fehlstellung aufweist, mit sehr gutem Erfolg nochmals nach Ponseti behandelt.
Serie der ersten 5 Gipse in 4 Wochen. Beachten Sie die Verbesserung der Fußstellung von links nach rechts.
In der Regel werden 5 bis 7 Gipse mit wöchentlichem Wechsel bis zur gewünschten Abspreizung des Fußes von etwa 70° benötigt. Nach Erreichen der gewünschten Korrektur wird meist ein Röntgenbild des Fußes durchgeführt, da sich die Spitzfuß-Komponente oft nicht durch die Gipse ausreichend korrigieren lässt. Besteht ein (Rest-)Spitzfuß, oder sieht man einen Fersenhochstand im Röntgen, so ist eine Achillessehnendurchtrennung nötig.
Nach 5 Gipsen
Dieser Eingriff wird bei uns in kurzer Maskennarkose durchgeführt. Der Eingriff selbst ist ein sehr kleiner, bei dem über einen ca. 3 mm großen Schnitt die Achillessehne eingekerbt wird. Da der Schnitt sehr klein ist, reicht es aus, die Wunde mit einem Wundheftpflaster zu verschließen. Im Anschluss werde erneut Oberschenkel-Gipse für ca. 4 Wochen angelegt.
Abduktionsschiene
Am Tag der letzen Gipsabnahme bekommen die Kinder unmittelbar eine sog. „Abduktionsorthese“, in der der Fuß in 70° "Außendrehung" und 20° nach oben gebeugt gehalten wird. Bei einseitigem Klumpfuß wird der gesunde Fuß etwas anders in der Schiene eingestellt. Die Tragezeit der Schiene in den ersten 3 Monaten liegt bei etwa 23 Stunden/Tag, danach bis ca. zum 3-4. Lebensjahr zu den Ruhezeiten (ca. 14 Stunden /Tag). Kurz nach der Anpassung der Schiene verordnen wir bei Bedarf Physiotherapie für etwa 2-3 Monate zum Erhalt der Beweglichkeit der Füße.
Durch eine konsequente Therapie lässt sich die Fehlstellung des Klumpfußes in den allermeisten Fällen beseitigen, während eine geringe Fußverkürzung und eine Verschmächtigung der Wade meist bleiben. Es ist allerdings sehr wichtig, frühzeitig mit der Behandlung zu beginnen und die Schiene nach der Gipsbehandlung konsequent zu tragen, da trotz erreichter Korrektur der Fuß sonst wieder schlechter werden kann.
Alle hier dargestellten Behandlungskonzepte sind nur eine grobe Orientierung und dienen der allgemeinen Information. Sie besitzen keine allgemeine Gültigkeit; jeder Einzelfall muss und wird bei uns für sich allein berücksichtigt.




