Praxisklinik Orthopädie Franziskushospital

Handgelenk und Handwurzel

Die Handwurzelknochen werden durch ein komplex aufgebautes Bandsystem stabilisiert. Diese Stabilität ist notwendig, um das Handgelenk in jeder Position schmerzfrei belasten zu können.


Zum Verständnis der diagnostischen und therapeutischen Problematik von Verletzungen der Handwurzelbänder sind biomechanische Kenntnisse der Funktion der Handwurzelreihen erforderlich.

Es gibt zwei Handwurzelreihen, die funktionell -nach Lichtman- wie ein unter Spannung stehendes Ringsystem zu betrachten sind. Die Spannung wird von Bändern aufrecht gehalten, die Bewegungsrichtungen der Handwurzelknochen führen und den Bewegungsumfang beschränken.


Links: Schematische Darstellung der Knochen des Handgelenkes
Rechts: Ringsystem nach Lichtman

Bricht dieser Ring knöchern oder durch eine Bandverletzung auf (zum Beispiel durch einen Sturz auf die überstreckte Hand), so resultiert eine ausgeprägte Störung des Bewegungsablaufes einzelner Handwurzelknochen. Es kommt zu einer Fehlbelastung der Gelenkflächen und hierdurch zur Entwicklung einer Handgelenksarthrose.

Verletzungen dieser Handwurzelbänder verursachen unbehandelt oft eine Instabilität, abnorme Beweglichkeit und schwere Gefügestörung der Handwurzel.

Im Gegensatz zu alten Verletzungen, können frische Bandverletzungen durch eine angemessene Therapie zur Ausheilung gebracht werden. Leider sind sie jedoch schwer zu erkennen und werden oft als einfache Verstauchung verkannt. Die häufigste und wichtigste Läsion ist die Verletzung des Bandes zwischen dem Kahnbein und dem Mondbein (scapholunäres Band).

Klinisches Bild

Typisch für eine frische Bandverletzung an der Handwurzel sind Schmerzen im Bereich des Handgelenkes mit Schwellung und einer Kraftminderung. Die Beschwerden nehmen bei Belastung und Bewegung zu. Die Beweglichkeit des Handgelenkes ist schmerzhaft eingeschränkt. Manchmal findet sich ein belastungsabhängiges Schnappen im Handgelenk. Wie bei einer einfachen Verstauchung können die Beschwerden auch bei einer Bandzerreißung unter konservativen Maßnahmen (z.B. einer Gipsruhigstellung) vorübergehend abklingen. Der Patient ist dann u. U. jahrelang beschwerdefrei, obwohl die Gelenkschädigung unbemerkt fortschreitet. Häufig wird erst durch eine neuerliche Bagatellverletzung eine bis dahin schmerzlose Verschleißerkrankung (Arthrose) aktiviert, der Patient hat von diesem Zeitpunkt an plötzlich starke Beschwerden.

Grundlage der Diagnosestellung ist die Erhebung der Vorgeschichte (Anamnese) und die klinische Untersuchung. Hinweisend ist eine lokalisierte Schwellung mit umschriebenem Druckschmerz in der Region des betroffenen Bandes. Durch spezielle Untersuchungsmethoden kann die Stabilität bestimmter Handwurzelbänder geprüft werden. Notwendig sind zusätzlich Röntgenaufnahmen des betroffenen Handgelenkes, eventuell ergänzt durch spezielle Belastungsaufnahmen zur Erfassung von Knochenfehlstellungen (sog. dynamische Instabilität). Manchmal ist es sinnvoll zusätzlich eine MRT-Untersuchung (Kernspintomographie) durchzuführen. Die entscheidende diagnostische Maßnahme zur Abklärung einer Bandverletzung der Handwurzel ist die Spiegelung des Handgelenkes, die Handgelenks-Arthroskopie.

Die arthroskopische Diagnostik und Therapie ist heutzutage für die Beurteilung der Handwurzel und des Handgelenkes unerlässlich. Keine andere Untersuchungsmethode gibt so ein exaktes Bild über die Bandstrukturen und Knorpelflächen wie die Arthroskopie, wodurch therapeutische Entscheidungen getroffen werden.

Die Handgelenksarthroskopie ist eine Operation, bei der über sehr kleine Schnitte mit einer Optik die krankhaften Strukturen des Handgelenkes und der Handwurzel beurteilt und auch zum Teil behandelt werden können. So kann ein verletztes Handwurzelband gesehen und mit einem Tasthaken auf Stabilität geprüft werden, erkranktes Gewebe entfernt (z.B. Entfernung der entzündeten Gelenkschleimhaut / Synovektomie), krankhaft verletzter Knorpel geglättet (Abrasionsarthroplastik) oder verletzte Strukturen wiederhergestellt werden (z.B. arthroskopische Naht eines Risses der Knorpelscheibe, des Discus triangularis).

Arthroskopisches Photo eines Dicus triangularis Einrisses, nach Anfrischen mit dem shaver und nach arthroskopischer Refixation

Therapie von Bandverletzungen des Handgelenkes

Wesentlich ist, ob es sich um eine frische oder veraltete Verletzung handelt, ob eine vollständige oder eine teilweise Zerreißung des Bandes vorliegt und, ob es durch die Bandzerreißung bereits zu Folgeschäden im Gefüge der Handwurzel (posttraumatische Arthrose) gekommen ist.

Frische Bandverletzungen

Frische Bandverletzungen, d.h. solche Verletzungen, die innerhalb der ersten 8 Wochen nach dem Unfall erkannt werden, können meist wieder zur Ausheilung gebracht werden. Die Behandlung erfolgt bei Teilzerreißungen, bei denen es nicht zu einer Fehlstellung der Handwurzel gekommen ist, mittels Ruhigstellung im Gipsschienenverband für 6 -8 Wochen.

Bei vollständiger Zerreißung des Bandes kann das Band direkt genäht oder bei Abriss vom Knochen wieder an diesem befestigt werden. Ergänzend muss in diesen Fällen zusätzlich zur Ruhigstellung im Gipsschienenverband eine vorübergehende Fixierung der einzelnen Handwurzelgelenke erfolgen. Hierzu werden Metalldrähte, sog. Kirschnerdrähte eingebracht, die nach Ausheilung des Bandes (ca. 8 Wochen) wieder entfernt werden.

Veraltete Bandverletzungen

Bei veralteten Bandverletzungen ist die Therapie erheblich schwieriger. In der Regel ist eine vollständige Wiederherstellung nicht mehr möglich. Allerdings kommt es als Folge der Bandverletzung der Handwurzel zu einer Fehlbelastung der Gelenkflächen, die im weiteren Verlauf einen vorzeitigen Verschleiß des Handgelenkes bewirkt.

Das Vorgehen richtet sich nach dem Stadium der Verletzung. Bei fehlender oder noch korrigierbarer Fehlstellung kommen Korrekturoperationen im Bereich der Gelenkkapsel und Handgelenksbänder in Betracht. Hierdurch kann die vermehrte Beweglichkeit und damit die Fehlbelastung der Gelenkflächen vermindert werden (z. B. Stabilisierung von Kahn- und Mondbein in Ergänzung zu einer Bandnaht durch eine sog. dorsale Kapsulodese).

Links: Ältere SL-Bandverletzung
Mitte: Zustand nach SL-Bandrefixation, Kapsulodese + KD-Fixierung
Rechts: Stabiles SL-Band nach KD-Entfernung

Bei fortgeschrittenen Veränderungen mit nicht mehr korrigierbarer, schmerzhafter Fehlstellung kommen Teilversteifungen der Handwurzel oder eine vollständige Versteifung des Handgelenkes in Frage. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer möglichst frühzeitigen Diagnosestellung.

Links (2 Bilder): Zustand nach Teilversteifung des Handgelenkes
Rechts (2 Bilder): Zustand nach Handgelenksversteifung